Schrift und Zeichen. Computergestützte Analyse von hochmittelalterlichen Papsturkunden

Die päpstliche Kanzlei des Hochmittelalters war die effizienteste ihrer Zeit und prägte durch den europaweiten Einfluss des Papsttums die gesamte Urkundenproduktion Lateineuropas.
Der hohen Quantität, der archivalischen weiten Verbreitung der Papsturkunden sowie dem in diesem Kontext ungenügenden traditionellen Methodeninventar ist es wohl geschuldet, dass die differenzierte Schriftgeschichte der hochmittelalterlichen Papsturkunden bislang nicht detailliert untersucht worden ist.
 
Das BMBF-Projekt „Schrift und Zeichen. Computergestützte Analyse von hochmittelalterlichen Papsturkunden. Ein Schlüssel zur Kulturgeschichte Europas“ widmet sich nun diesem Desiderat und wird in einem interdisziplinären Vorhaben computerbasierte Tools zur Erfassung, Analyse und Kategorisierung von hochmittelalterlichen Urkunden anhand ihrer äußeren Merkmale und ihrer Schrift entwickeln. Dabei sind speziell die Übergangsprozesse von der Kuriale zur päpstlichen Minuskel und dann folgend zu den gotischen Schriften im 11. und 12. Jahrhundert von Interesse. Besonderes Augenmerk wird zudem auf die Identifizierung verschiedener Schreiberhände gelegt, insbesondere bei den Unterschriften der Kardinäle. Daraus werden auch Rückschlüsse auf das päpstliche Kanzleiwesen gezogen. Dezidiert steht nicht eine automatische Schrifterkennung im Mittelpunkt des Vorhabens, sondern die Analyse sowohl synchroner Schriftvariationen als auch diachroner Schriftentwicklung.

Von der geschichtswissenschaftlicher Auswertung und Interpretation der Ergebnisse sind wesentliche neue Erkenntnisse zur Kultur- und Institutionengeschichte des mittelalterlichen Europa zu erwarten, die sich in technischer wie inhaltlicher Hinsicht als richtungweisend für weiterführende, neue Forschungen erweisen dürften.

Projektleitung: Prof. Dr. Klaus Herbers, Prof. Dr. Irmgard Fees (LMU München), Prof. Dr.-Ing. Joachim Hornegger

MitarbeiterInnen: Thorsten Schlauwitz, M.A., Viktoria Trenkle, Judith Werner

Projektlaufzeit: 2012-2015

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