Edition des ältesten Briefbuchs der Reichsstadt Nürnberg (1404-1408)

Ab dem 13. Jahrhundert nahm Nürnberg im Heiligen Römischen Reich eine immer wichtigere Rolle ein und entwickelte sich weit über die Regional- grenzen hinaus zu einem Handels- und Wissenszentrum. Durch die dort zahlreich stattfindenden Hof- und Reichstage sowie Herrschaftsbesuche avancierte die Stadt ferner zum politischen Mittelpunkt des Reiches. Dies hatte zur Folge, dass sie zu einem Kommunikationsknotenpunkt von reichsweiter Bedeutung wurde. Umfassende Studien zu diesem Themenfeld beschränken sich jedoch bisher auf die Frühe Neuzeit, eine systematische Analyse zu den auswärtigen Beziehungen der fränkischen Reichsstadt oder deren Bedeutung für den reichsweiten Informationsaustausch im Mittelalter steht noch aus. Obwohl mit den Briefbüchern des Nürnberger Rates das zentrale und einmalige Schriftgut für eine derartige Auswertung überliefert ist, sind diese Bestände noch weitestgehend unerschlossen.

Das von der Friedrich Freiherr von Haller'schen Forschungsstiftung finanzierte und in enger Zusammenarbeit mit dem Staatsarchiv Nürnberg durchgeführte Projekt "Edition des ältesten Briefbuchs der Reichsstadt Nürnberg (1404-1408)" soll diese wichtige Quellengattung einem breiteren Publikum zur Verfügung stellen und ihre regional- sowie reichsweite Bedeutung für die politische, Verwaltungs- und Kommunikationsgeschichte erarbeiten.

Die Briefbücher des Kleinen Rates der Reichsstadt Nürnberg tragen zudem zur Beantwortung von lokalen, regionalen und reichsweiten Fragen bei. So kann nicht nur die Übermittlung von Nachrichten durch den Rat nachempfunden, sondern auch alle Außenbeziehungen des Rates erforscht werden. Sie fördern damit das Verständnis von reichsweiten und Nürnberg-bezogenen Ereignissen, Strukturen und Entscheidungsprozessen.

Im Projekt finden innovative, computerbasierte Methoden ihre Anwendung, die den Prozess der Transkription beschleunigen. Im bereits abgeschlossenen Erlanger Projekt „Schrift und Zeichen“ der Lehrstühle für Mittelalterliche Geschichte und Informatik/Mustererkennung wurden bereits Tools zur automatischen Schriftanalyse und Schreiberidentifizierung entwickelt. Diese Algorithmen, die diesem Vorhaben zur Verfügung stehen, werden zu einer automatischen Schrifterkennung von historischen Handschriften erweitert, wofür die geplante Edition den ersten Meilenstein darstellen wird.

Mit der resultierenden Edition des ersten Bandes der Nürnberger Briefbücher wird daher ein wichtiges Quellenkorpus zur Verfügung gestellt. Daneben wird die Art der Erstellung des Bandes weitläufiges Interesse finden. Zudem stehen die in diesem Projekt entwickelten Algorithmen auch als Grundlage für folgende Editionen zur Nürnberger Geschichte zur Verfügung.

Die Edition des ersten Bandes der Briefbücher wird einen ersten entscheidenden Schritt darstellen. Langfristig ist eine Transkription der seriellen Quellen des Staatsarchivs Nürnberg (Briefbücher, Ratsbücher, Rechnungsbücher, Ämterverzeichnisse) und deren Verknüpfung untereinander angedacht. Die Erforschung der Geschichte der Reichsstadt Nürnberg kann somit auf einen gänzlichen neuen Zugang zu dieser deutschlandweit fast einzigartigen Quellengrundlage gestellt werden.

Abbildung: Auszug aus dem Nürnberger Briefbuch (Staatsarchiv Nürnberg)

Projektleitung:

Projektmitarbeiter:

Projektlaufzeit:

  • 2014–2016