Epistola. Der Brief auf der Iberischen Halbinsel und im lateinischen Westen. Tradition und Wandel einer literarischen Gattung (4. bis 11. Jahrhundert)

Die Gattung Brief erfuhr in der Spätantike durch den Einfluss des Christentums eine grundlegende Erneuerung: Als von der Antike ererbtes Genre durchlief sie verschiedene Prozesse der Ausdifferenzierung und wandelte sich zu einer vielgestaltigen Textform. Das deutsch-französische Forschungsprojekt „Epistola. Der Brief auf der iberischen Halbinsel und im lateinischen Westen. Tradition und Wandel einer Gattung (4.-11- Jahrhundert)“ soll die aktuellen Forschungen zur epistola bündeln und intensivieren. In bewusst interdisziplinärer Perspektive bilden dabei deutsche, französische, spanische, portugiesische und belgische WissenschaftlerInnen einen transnationalen Forschungsverbund, der von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und der Agence nationale de la recherche (ANR) finanziert wird.

Aufgrund der Qualität und der Vielfalt der brieflichen Korrespondenz, der Bedeutung der Kontakte mit dem übrigen Europa und der durch die kulturellen Besonderheiten aufgeworfenen Problematiken stellt der lateinisch geprägte iberische Raum ein exzellentes Untersuchungsfeld für die Analyse der früh- und hochmittelalterlichen Briefpraxis dar. Drei Phasen stehen hierbei im Zentrum: eine bis 711 andauernde Spätantike, die durch das westgotische Königtum geprägt ist und in der die päpstliche und bischöfliche Korrespondenz dominiert; die Karolingerzeit, in der die Kontakte – vor allem im Zuge des Adoptianismusstreits – zahlreicher und vielfältiger werden; und schließlich der Umbruch während der Gregorianischen Reform, der Spanien in eine neue Welt führte.

Das Projekt verfolgt vorrangig zwei Ziele: Zum einen sollen wenig bekannte Briefcorpora zugänglich gemacht, ediert, übersetzt und auf wissenschaftlich neuestem Stand kommentiert werden. Zum anderen sollen durch Detailstudien zur textgeschichtlichen und historischen Kontextualisierung des Briefs die dem Briefgenre eigene Logik, seine große Offenheit wie auch seine politische, religiöse und soziale Bedeutung besser erfasst werden. Daher stehen Fragen nach Sprachstil und Rhetorik, Übermittlungs- und Überlieferungszusammenhängen und Briefpraxis im Mittelpunkt.

In Erlangen werden im Rahmen von Epistola drei Teilprojekte bearbeitet: Katharina Götz erstellt Regesten der päpstlichen (Brief-)Kontakte auf der Iberischen Halbinsel vor 711, die als Band der Iberia Pontificia veröffentlicht werden sollen (mehr zu diesem Projekt hier). Cornelia Scherer befasst sich mit der Überlieferung von Briefen in der hispanischen Kanonistik des Frühmittelalters. Prof. Dr. Klaus Herbers und Veronika Unger arbeiten an einer Anthologie der Papstbriefe des 9. Jahrhunderts mit Kommentar und Übersetzung.

Nähere Informationen finden Sie auf der Projekthomepage.

Projektleitung:

ProjektmitarbeiterInnen:

Mitglieder der Forschergruppe in Erlangen:

Studentische Hilfskräfte:

  • Nadine Ballenberger
  • Cordula Christgau
  • Amer El-Rayyes

Projektlaufzeit:

  • 2012–2016