Geschichte des AKG

"Der Pulverdampf der 'Kämpfe um eine grundlegende Neuorientierung der Geschichtsschreibung im Sinne einer Kulturgeschichte' war noch nicht ganz verraucht" als im Jahre 1903 Georg Steinhausen den ersten Band seiner Zeitschrift ARCHIV FÜR KULTURGESCHICHTE herausgab. Nach einigen Jahren der alleinigen Herausgabe versammelte Steinhausen 1910 einen zunächst elfköpfigen Kreis von namhaften Gelehrten der Geistes- und Geschichtswissenschaft - unter anderem Wilhelm Dilthey, Heinrich Finke und Aloys Schulte - um sich. Dieses Fachkolloquium verfolgte das Ziel einer verstärkt geistes- und kulturgeschichtlichen Akzentuierung bei der Herausgabe ihrer Zeitschrift.

Seit dem Jahre 1912 hatte der Historiker Walter Goetz neben Georg Steinhausen die Funktion als Herausgeber des AKG inne. Anders als Steinhausen vertrat Goetz die Ansicht, dass die politische Geschichte keinesfalls von der Kulturgeschichte zu trennen sei. Begebenheiten aber, die der Volkskunde oder des gesellschaftlichen und Sittenlebens angehören, sollen nicht mehr als Kulturgeschichte gewertet werden.

Seit dem Tod Steinhausens im Jahre 1933 war Walter Goetz alleiniger Herausgeber des AKG. Aufgrund der Wirren des Zweiten Weltkrieges wurde die Publikation der Zeitschrift seit 1944 jedoch eingestellt. Erst sechs Jahre später erschien der 33. Band unter Mitarbeit von Herbert Grundmann und Fritz Wagner.

Eine grundlegende Neuerung trat nach Grundmanns Tod 1970 ein: In der Anlage der Zeitschrift wurde die Rubrik 'Literatur- und Forschungsberichte' durch die 'Kulturgeschichtliche Umschau' ersetzt, für die es einen Bearbeiter sowie einen Mitarbeiterkreis gab, zu dem auch der spätere Herausgeber Egon Boshof gehörte.

Der Mediävist Egon Boshof übergab sein Amt als Herausgeber des ARCHIVS FÜR KULTURGESCHICHTE im Jahre 2002 an den Erlanger Frühneuzeithistoriker Helmut Neuhaus. Bis zu seiner Emeritierung 2010 versammelte Neuhaus den österreichischen Soziologen Karl Acham, den Kunsthistoriker Günther Binding, den Volkskundler und Germanisten Wolfgang Brückner, den Neuzeithistoriker Kurt Düwell, den Althistoriker Gustav Adolf Lehmann, den Magdeburger Germanisten Michael Schilling und den früheren Herausgeber Egon Boshof als Mitherausgeber um sich.
Anfang des Jahres 2010 vertraute Helmut Neuhaus sein Amt dem Erlanger Mittelalterhistoriker Klaus Herbers an. Unter seiner Leitung wird die breite Ausrichtung des AKG fortgeführt und eine weitere Internationalisierung angestrebt.

2015 änderte sich der Herausgeberkreis. Inzwischen gehören der Germanist Bernhard Jahn (Hamburg), die Kunsthistorikerin Eva-Bettina Krems (Münster), der Historiker Frank-Lothar Kroll (Chemnitz), der Romanist Tobias Leuker (Münster), der Kunsthistoriker Norbert Nußbaum (Köln) und der Althistoriker Stefan Rebenich (Bern) dem Gremium neu an.

Damals wie heute soll aus der Synthese verschiedenster Disziplinen wie etwa der Literatur-, Kunst-, Religions- und Wirtschaftsgeschichte mit den Geschichtswissenschaften die Gesamtkultur zu einem bestimmten historischen Zeitpunkt dargestellt werden. Diskutiert werden zunehmend Fragen der 'kulturalistischen Wende'.

Ebenso wird gegenwärtig weiterhin an der bewährten Struktur des AKG festgehalten. Somit erscheinen in jedem Band neben einer Reihe von Aufsätzen, die möglichst alle historischen Epochen umfassen, ausgewählte Rezensionen in der 'Kulturgeschichtlichen Umschau'. Die in unregelmäßigen Abständen publizierten Beihefte zum AKG sind thematisch ebenso breit gefächert wie die Zeitschrift selbst.

Für weitere Informationen zur Historie des AKG sei auf die Jubiläumsausgabe (AKG, Heft 85,1/2003) verwiesen.